Pressemitteilung

Ärzte und Psychotherapeuten sind keine Computerspezialisten

KVN sieht Kostenlawine für IT-Sicherheit auf Arztpraxen zurollen / Investitionskostenzuschlag gefordert

 

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung  Niedersachsen (KVN) hat für Arzt- und Psychotherapeutenpraxen einen Investitionszuschlag für die Umsetzung der Datensicherheit in den Praxen gefordert.

 

An der Ausarbeitung einer neuen IT-Sicherheitsrichtlinie arbeiten zurzeit unter anderem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Sie werden Details festgelegen, wie Praxis-IT auf einen sicheren Stand gebracht werden muss.

 

"Die Kosten für weitere IT-Sicherheitslösungen in Praxen sind noch gar nicht abzusehen. Ich befürchte, dass auf Praxisinhaber in naher Zukunft mit der neuen Richtlinie eine weitere Kostenlawine zurollen wird", sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende, Mark Barjenbruch, heute in Hannover.

 

IT-Experten schätzen die Investitionskosten je nach Praxisgröße auf einen vierstelligen Betrag. "Diesen finanziellen Aufwand sollen Praxen alleine stemmen, ohne einen wirklichen effektiven Nutzen durch die IT zu verzeichnen", so Barjenbruch. Die KVN fordert, dass die Zusatzkosten durch einen Investitionskostenzuschlag für Praxen abgebildet werden.

 

Hintergrund für diese Entwicklung ist das vom Bundestag verabschiedete Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), in dem die KBV aufgefordert wird, "bis zum 30. Juni 2020 in einer Richtlinie die Anforderungen zur Gewährleistung der IT-Sicherheit in der vertragsärztlichen und vertragszahnärztlichen Versorgung" festzulegen. Die Richtlinie soll unter anderem Anforderungen an die sichere Installation und Wartung von Komponenten und Diensten der Telematikinfrastruktur (TI) umfassen, die in der kassenärztlichen Versorgung genutzt werden. Sie muss laut Gesetz jährlich an den Stand der Technik und das Gefährdungspotenzial angepasst werden.

 

Zusätzlich haben Medienberichte, Aktionen des Chaos-Computer-Clubs und Einschätzungen von externen IT-Fachleuten in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, dass zahlreiche Arztpraxen nur ungenügend vor Hacker-Angriffen geschützt sind. "Dies hat zu einer großen Verunsicherung bei Ärzten und Psychotherapeuten geführt. Wir versuchen mit unserem Beratungsangebot Ärzte und Psychotherapeuten bei Fragen rund um den sicheren Anschluss an die TI zu unterstützen. Teilweise mussten Praxen schon jetzt in IT-Sicherheit investieren", sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende.

 

Barjenbruch warnte davor, den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten einseitig die Schuld für angebliche Sicherheitsmängel in den Praxen zuzuweisen. "Ärzte und Psychotherapeuten sind keine Computerspezialisten. Sie müssen sich auf die Aussagen ihrer IT-Dienstleister verlassen können. Es ist Aufgabe der Politik, klare Vorgaben für die sichere Anbindung an die Telematikinfrastruktur zu machen. Es muss dringend eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, um zu klären, in welchem Umfang die gematik - die Betreibergesellschaft der TI-Struktur im Gesundheitswesen - für die Sicherheit verantwortlich ist. Es muss einen Sicherheits-TÜV für Arztpraxen geben", forderte der KVN-Chef.